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XRechnung 4.0 ist kein Wartungsrelease, sondern der Umstieg auf die überarbeitete europäische Norm EN 16931-1:2026. Die Vorversion beschreibt das semantische Datenmodell einschließlich fachlicher Geschäftsregeln; eine XML-Bindung enthält sie nicht, und die ausführbaren Prüfregeln sowie die Validator-Konfiguration für 4.0 stehen noch aus. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt zum Planen, nicht zum produktiven Implementieren – wobei KoSIT inzwischen veröffentlichte CEN-Syntaxbinding-Dokumente meldet.
Was zu XRechnung 4.0 veröffentlicht wurde
Die Koordinierungsstelle für IT-Standards (KoSIT) hat die Vorversion 4.0.0 am 15. September 2026 veröffentlicht. XRechnung konkretisiert die europäische Rechnungsnorm als CIUS, also als Anwendungsspezifikation mit zusätzlichen Vorgaben. Das semantische Modell legt Bedeutung und Beziehungen der Rechnungsangaben fest. Eine Syntaxbindung ordnet diese Angaben konkreten XML-Strukturen in UBL oder CII zu.
Die neue CIUS-Kennung lautet urn:cen.eu:en16931:2026#compliant#urn:xeinkauf.de:kosit:xrechnung_4.0. Sie ersetzt den Bezug auf en16931:2017 und xrechnung_3.0. Hinzu kommen mehr als 50 Informationselemente, sogenannte Business Terms (BT), und sieben Gruppen, Business Groups (BG). Die bisherigen Extension-Gruppen BG-DEX fehlen; die Ausgestaltung der Erweiterung bleibt offen. TBD-Kennungen und ein Platzhalter zur Altteilsteuer zeigen den Entwurfsstand.
Das PDF nennt keinen Inkrafttretenszeitpunkt. Für den technischen Stand ist die KoSIT-Meldung vom 16. September entscheidend: Die CEN-Syntaxbinding-Dokumente sind veröffentlicht, die CEN-Validierungsartefakte fehlen noch. Eine vollständige Grundlage für die produktive Umsetzung von XRechnung 4.0 liegt damit nicht vor.
Fünf Änderungen mit großer Wirkung
Die folgenden Änderungen ergeben sich aus dem Vergleich der Spezifikation 3.0.2 mit der 4.0.0-Vorversion. Sie beschreiben den vorläufigen Modellstand.
1. Skonto erhält strukturierte Felder
Zahlungsbedingungen werden in der wiederholbaren Gruppe PAYMENT TERMS (BG-33) gebündelt. Darunter enthält EARLY PAYMENT DISCOUNT (BG-35) ein Enddatum sowie Felder für Prozentsatz und Betrag. LATE PAYMENT PENALTY (BG-36) bildet Bedingungen bei verspäteter Zahlung ab. Die bisherige deutsche Skonto-Textkonvention #SKONTO#TAGE=…#PROZENT=…# aus BR-DE-18 entfällt in der Vorversion. Für Anwendungen bedeutet das: Skonto braucht ein strukturiertes internes Modell, statt ausschließlich in einem Zahlungstext zu stehen.
2. Bestellungen und Lieferungen lassen sich je Position zuordnen
BT-188 ergänzt eine ausdrückliche Bestellreferenz je Rechnungsposition. Hinzu kommen Referenzen auf Auftrag, Versand- beziehungsweise Lieferavis, Wareneingang, Lieferschein und Vorgängerrechnung; Letztere erhält BG-39. BG-37/BG-38 ermöglichen Empfänger, Lieferort, Datum und Adresse auf Positionsebene. Die Regeln BR-CO-40 und BR-CO-42 bis BR-CO-46 verlangen für die jeweils betroffenen Angaben die Zuordnung entweder im Kopf oder auf Positionsebene, nicht gleichzeitig auf beiden Ebenen.
Der Nutzen zeigt sich bei Sammelrechnungen: Jede Position kann zu einer anderen Bestellung oder Lieferung gehören. Genau diesen Bedarf beschreibt Issue #88 unserer Bibliothek aus der Speditionsabrechnung. Die daraufhin ergänzte Objektkennung BT-128 hilft bereits heute bei solchen Zuordnungen; mit BT-188 sieht die Vorversion ein eigenes Feld für die Bestellnummer vor.
3. Parteikennungen brauchen ein Schema
Eine Schema-Kennung beschreibt, nach welchem Identifikationssystem eine Nummer gebildet wurde. BR-69 bis BR-75 verlangen sie für die dort genannten Verkäufer-, Käufer-, Zahlungsempfänger-, Register- und Lieferortkennungen. Eine bloße Kreditoren- oder Debitorennummer ohne Schema genügt in den betroffenen Feldern künftig nicht mehr. Prüfen Sie deshalb, ob Ihre Stammdaten neben der Nummer auch deren System eindeutig abbilden.
4. Mehrere Käuferreferenzen, höchstens eine Leitweg-ID
BT-10 wird wiederholbar und erhält eine optionale Schema-Kennung. Eine Käuferreferenz ist nicht automatisch eine Leitweg-ID: Diese dient der Zuordnung elektronischer Rechnungen zu öffentlichen Rechnungsempfängern. Nach BR-DE-32 darf bei mehreren BT-10-Einträgen höchstens einer eine Leitweg-ID enthalten. Für das Datenmodell bedeutet die Änderung eine Liste von Käuferreferenzen; sie erlaubt keine beliebige Liste von Leitweg-IDs.
5. Durchlaufende Posten wandern in den Kern
Die bisherige Erweiterung BG-DEX-09 wird durch BG-34 für Fremdforderungen im Kernmodell abgelöst. Diese Beträge beeinflussen den Zahlbetrag. BR-CO-16 beschreibt ihn als BT-115 = BT-112 − BT-113 + BT-179 + BT-114: Bruttosumme minus bereits gezahlter Betrag plus Fremdforderung plus Rundungsbetrag. Bei mehreren Fremdforderungen muss deren Wiederholbarkeit im Rechenmodell berücksichtigt werden.
Neue Pflichten und Lockerungen
BR-DE-35 verlangt im Entwurf ein Leistungs- oder Lieferdatum beziehungsweise einen Zeitraum auf Kopf- oder Positionsebene. Ausgenommen sind die Rechnungstypen 325, 384 und 386. Nach BR-CO-33 darf die Bruttosumme einer als Credit note eingeordneten Gutschrift nicht negativ sein.
Die Einschränkung der Rechnungstypen durch BR-DE-17 und die deutschen Kopplungsregeln zwischen Zahlungsart und Zahlungsgruppe BR-DE-23 bis BR-DE-25 entfallen. PAYMENT INSTRUCTIONS (BG-16) bleibt nach BR-DE-1 für als Invoice eingeordnete Rechnungen erforderlich; für Credit notes besteht diese Pflicht nicht.
Die Kardinalität gibt an, wie oft eine Angabe vorkommen darf: 1 bedeutet genau einmal, 0..1 optional einmal und * beliebig oft. Ausgewählte Änderungen:
| Element | 3.0.2 | 4.0-Vorversion |
|---|---|---|
| BT-10 Käuferreferenz | 1 | 1..* |
| BT-46 Käuferkennung | 0..1 | 0..* |
| BG-16 Zahlungsanweisungen | 1 | 0..1 |
| BT-117 / BT-119 USt-Betrag / USt-Satz je Kategorie | 1 | 0..1 |
| BT-160 Name einer Artikeleigenschaft | 1 | 0..1 |
Geschäftsregeln können Angaben trotz optionaler Kardinalität verlangen, etwa BG-16 abhängig vom Belegtyp. Bei Steuerangaben kommen Befreiungsgründe als Text und VATEX-Code auch für Rechnungspositionen sowie für Zu- und Abschläge auf Dokumentenebene hinzu. Weitere Felder betreffen Nicht-Umsatzsteuerarten nach UNTDID 5153 und die Unterscheidung zwischen Ware und Dienstleistung.
Und ZUGFeRD beziehungsweise Factur-X?
FeRD veröffentlichte ZUGFeRD 2.5.2 am 4. August 2026; die entsprechende französische Version heißt Factur-X 1.09.2. Das Korrigendum bereinigt vor allem Inkonsistenzen der EXTENDED-Erweiterungen, die bereits Funktionen der neuen europäischen Norm vorwegnehmen. FeRD stellt das nächste Release für voraussichtlich Herbst 2026 in Aussicht, einschließlich Bruttorechnungen und weiterer Normfunktionen. Das ist eine Ankündigung, keine bereits verfügbare Unterstützung dieser zusätzlichen Funktionen.
Was Softwarehersteller jetzt vorbereiten können
Unsere Empfehlung für Delphi-/FreePascal-Entwickler und ERP-Hersteller: Prüfen Sie Stammdaten auf fehlende Schema-Kennungen, halten Sie Skontobedingungen strukturiert vor und speichern Sie Bestell- und Lieferbezüge je Position. Berücksichtigen Sie wiederholbare Käuferreferenzen auch beim Einlesen. So lassen sich Datenbankmodell und Schnittstellen planen, während die technische Umsetzung noch vervollständigt wird.
Wie es mit XRechnung-for-Delphi weitergeht
XRechnung-for-Delphi unterstützt unter Delphi und FreePascal aktuell XRechnung 3.0.2 in UBL und CII, ZUGFeRD 2.5.2 beziehungsweise Factur-X 1.09.2 in EN16931 und EXTENDED sowie Peppol BIS Billing 3.0.
Nach unserer Einschätzung lassen sich die neuen Inhalte überwiegend durch zusätzliche Felder in TInvoice aufnehmen. Größere Anpassungen erwarten wir bei Zahlungsbedingungen und Schema-Kennungen. Bestehender Anwendercode soll weiter funktionieren; das ist unser Entwicklungsziel. Wir beginnen die Implementierung, sobald die benötigte Syntaxbindung, Schematron-Regeln und Validator-Konfiguration als vollständige Grundlage vorliegen. Einen Termin nennen wir dafür noch nicht.
Einen Überblick über unsere Bibliotheken für E-Rechnungen und Schnittstellen finden Sie auf der Seite Entwicklung.
Quellen
- KoSIT: Vorversion XRechnung 4.0 (16.09.2026)
- Spezifikation 4.0.0-Vorversion (15.09.2026)
- Spezifikation 3.0.2 (20.06.2024)
- Versionen und Bundles.
- FeRD: ZUGFeRD 2.5.2 veröffentlicht (04.08.2026).
- FNFE-MPE: Factur-X.
- Landrix Software: Bibliothek und Dokumentation
- Issue #88.
- Recherchestand: 18.09.2026.
